KURZE GESCHICHTE VON GEMERT UND SEINER REGION



Das Schloss des deutschen Ritterordens und das Dorf Gemert, Dezenber 1675


1. Das Mittelalter 1200 - 1500

2. Die Neuzeit 1500 - 1800

3. Zeit der französischen Revolution 1793 - 1815

4. Das Neunzehntes und zwanzigstes Jahrhundert



1. DAS MITTELALTER


Während des hohen Mittelalters war Gemert ein Teil vom Herzogtum Brabant, einem der siebzehn niederländischen Herrschaftsgebiete. Zum grössten Teil gehörten die Niederlande damals dem Deutschen Reich. Einige Territorien (zum Beispiel die Grafschaft Flandern) gehöhrten dem französischen Königreich. Gegen Ende der Kreuzzüge kamen die Ritter des deutschen Ordens hier in Gemert. Das war um 1220. Der deutsche Ritterorden glaubte während der Kreuzzüge - genau wie der französische Templerorden und die italienische Johanniter - eine religiöse Aufgabe zu erfüllen: im Heiligen Land die Christen von der Tyrannei der Araber und der Heiden zu befreien. Anfangs hatte man Erfolg: Im Jahre 1099 wurde Jerusalem erobert. Nach zwei Jahrhunderte aber wurden die europäischen Ritter aus Palestina fortgejagt. Die Ritter des deutschen Ordens kamen in die deutsche Länder zurück. Vom Kaiser erhielten sie viele Herrengüter. Die Mehrzahl ihrer neuen Eigentümer befanden sich in Ostpreussen und in Polen. Hier wollten sie die Heiden das Christentum bringen. Es gab aber auch Herrengüter des deutschen Ordens in West-Europa. Im heutigen Belgien waren das: Bilzen und Sankt Pietersvoeren. Im Westen Deutschlands: unter anderem: Ramersdorf bei Bonn und auch in eurer Gegend gab es Herrengüter des deutschen Ordens: in der Umgebung von Osnabrück und in der Nähe von Münster. In Brabant waren das u.a. Vught (bei Herzogenbosch) und Gemert. Gemert wurde also um 1220 ein Herrengut des deutschen Ordens. Im Jahr 1271 wurde die besondere Situation von Gemert von Johann der erste, Herzog von Brabant anerkannt: Gemert war ein mehr oder weniger ein selbstständiges Herrengut; unabhängig vom Herzogtum Brabant und den Niederlanden. Im deutschen Ritterorden gab es keine Trennung von religiösem und politischem Bereich. Die Ritter, die meistens auch Geistliche waren, kannten nicht die Liebe zur Armut. Sie verzichteten also nicht auf Macht und Besitz. Im Gegenteil! Im 14. Jahrhundert tobte ein richtiger kleiner Krieg hier in Gemert. Es ging um Macht und Besitz, zwisschen einem Ritter aus Gemert und seinen Angehörigen auf der einen Seite und die deutschen Ritter auf der anderen Seite. Mit einer Urkunde aus dem Jahre 1363 wurde der Sieg der deutschen Ritter bestätigt. Zahlreich waren die Aktivitäten der deutschen Ritter in ihrem Herrengut Gemert. Um 1400 haben die Ritter das Schloss und die Kirche bauen lassen. Vielleicht kan man das 15. Jahrhundert in Gemert ein goldenes Zeitalter nennen. Es blühten Landwirtschaft, Handel und Unterricht.
La statuette miraculeuse de Notre Dame de Handel Im Jahre 1437 wurde die selbstständige Pfarrei Gemert gegründet. Vorher gingen die Gläubigen aus Gemert im benachbarten Bakel zur Kirche. Ab 1437 hatte Gemert also sein eigenes Kirchspiel (oder Pfarrbezirk). Diese neue Situation wurde von einer päpstliche Urkunde bestätigt. Zu jener Zeit entwickelte sich das Dorf Handel, Teil des Gemertschen Herrenguts des deutschen Ordens, zu einem berühmten Wallfahrtsort der heiligen Jungfrau. Ob das Zufall war? Hunderte und hunderte von Pilgern besuchten alljährlich diesen Wallfahrtsort. Wallfahrt heisst auch Wohlfahrt. Gemert ging es gut und dem deutschen Orden ebenfalls. Laut einer Zählung der Feuerstätte, die im Jahre 1437 in Brabant stattfand, gab es damals in Gemert 243 Herde/Feuerstätte. Daraus lässt sich schliessen, dass Gemert damals etwa 1250 Einwohner hatte. Zum Vergleich: Herzogenbusch war damals eine Grossstadt met 20.000 Einwohnern.

George Macropedius (1487-1558), onderwijskundige, toneelschrijver, humanist Der später berühmte Georg Macropedius, wurde gegen Ende des 15. Jahrhunderts - im Jahr 1487 - hier in Gemert geboren. Er hiess damals Joris van Lancvelt. Er wurde ein berühmter Lehrer in Latein, Griechisch, Musik und Mathematik. Er verfasste auch Dramen und schrieb Schulbücher. Er wurde Rektor der städtischen Schule in Herzogenbusch. Später war er Rektor zu Lüttich und um 1530 wurde er Rektor der besten Schule der Niederlande in Utrecht. Sein Ruhm verbreitete sich nicht nur in den Niederlanden: im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert war er im ganzen Deutschen Reich bekannt. Das war vor Allem wegen seiner Dramen, die in vielen deutschen Städten aufgeführt wurden. Eine andere Berühmtheit aus Gemert war Laurens Torrentinus. Im sechzehnten Jahrhundert war er der berühmte Buchdrucker vom Herzog von Florenz, Cosimo de Medici. Es gab mehrere andere Jungen die in Gemert geboren wurden, hier und in Herzogenbusch studierten und an den Universitäten von Löwen oder Köln weiter studierten und später wichtige Männer wurden in Herzogenbusch, in der wichtigen Handelsstadt Antwerpen oder in der Hauptstadt von Brabant, Brüssel.

Gemert in de 17e eeuw
2. DIE NEUZEIT, 1500-1800


Gemert war also ein mehr oder weniger unabhängiges Herrengut des deutschen Ordens. Das was auch so in der Zeit des Karl des Fünften. Nach seiner Herrschaft über den Niederlanden (und dem deutschen Reich) wurde sein Sohn, Philip der zweite, Herr der Niederlande (und König von Spanien). In seiner Zeit entstand ein Aufstand gegen Philip den Zweiten: "der achtzigjährige Krieg". Dieser Aufstand fing im Jahre 1568 an und fast 80 Jahre tobte der Krieg gegen die Spanier. Gemert war neutrales Gebiet. Zum grösseren Teil blieb Gemert das Elend des Krieges erspart. Viele Leute aus der Umgebung flüchteten hierher. Zu jener Zeit - um genau zu sein - im Jahr 1587 wurde in Gemert eine Lateinische Schule gegründet: eine Art Gymnasium, an dem man seine klassischen Studien machen konnte. Viele junge Leute aus Gemert und andere Teilen Brabants haben hier studiert. Die Schule war eine der drei grössten im Norden Brabants. Die meisten Jungen setzen ihre Studien nachher fort an der Universität von Löwen oder Köln. Noch ging es gut mit Gemert. Die Niederlande aber spalteten sich. Der Norden entwickelte sich zu einem unabhängigen Staat: die Republik der Sieben Vereinigten Niederlande. Das war bei dem Westfälischen Frieden: Der Frieden zu Münster in 1648. Da wurden die aufständische Niederlande vom spanischen König als ein unabhängiger Staat anerkannt. Der Süden der Niederlande aber blieb unter spanischer Gewalt. Somit wurde auch das katholische Brabant gespaltet. Die südliche Gebiete um Antwerpen und Brüssel blieben spanisch. Die nördlichen Gebiete vom katholischen Brabant wurden der holländischen protestantische Republik angegliedert. Künftig wurde der Norden von Brabant direkt von Den Haag aus regiert: Jede der sieben Vereinten Provinzen hatte seine eigene Verwaltung, nur Nord-Brabant (und Limburg) wurde das nicht gestattet. Nord-Brabant (und Limburg) war katholisches und erobertes Gebiet.
Verheijen Zwar war Gemert ein unabhängiges Gebiet, Herrengut des deutschen Ritterordens, aber in 1648 versuchte die holländische Republik Gemert zu annektieren. Ein holländisches Heer besetzte Gemert und die evangelische Religion wurde hier aufgezwungen. Die Bevölkerung von Gemert und der deutsche Ritterorden widersetzten sich. Hilfe wurde vom Kaiser des deutschen Reiches geleistet und auch der spanische König unterstützte die Unabhängigkeitsansprüche von Gemert. Nach vierzehn Jahre und viele Prozessen wurde Gemert im Jahre 1662 wieder selbstständig. Das konnte allerdings erst geschehen nachdem die Einwohner von Gemert den holländischen Generalstaaten nicht weniger als 40.000 Goldstücke bezahlt hatten. (Damals so wie heute liess sich Vieles mit Geld regeln in Holland!) Die Unabhängigkeit wurde aber nur unter der Bedingung wiederhergestellt dass - neben dem herrschenden Katholizismus - auch der Protestantismus in Gemert zugelassen sei. Und das geschah. Das war etwas Ausserordentliches in den damaligen Niederlanden: Zwei verschiedene Religionen gesetzlich erlaubt. Diese Situation blieb bis zur Zeit der französischen Revolution.



3. GEMERT ZUR ZEIT DER FRANZöSISCHEN REVOLUTION


Im Jahre 1789 war der Ausbruch der franzözische Revolution. Vier Jahre später wurde der König enthauptet und Frankreich wurde eine Republik. Viele Adlige und Geistliche entflohen dem Land. Nach Deutschland, England und in die Niederlande. In Gemert kamen auch Emigranten an: der Bisschof von Châlons sur Marne, Monseigneur Clermont de Tonerre. Bei Ihm waren seine Kusine, die Gräfin De Banaston und eine Frau namens Anne Christine Bonnet. Im Jahre 1792 wohnten sie im Schloss von Gemert. Noch immer war Gemert ein Herrengut des deutschen Ritterordens. Es gab zu jener Zeit 3500 Einwohner. Im Februar 1793 kam eine französische revolutionäre Armee in die Niederlande. Die Soldaten brachten die neue franzözische Freiheit und Gleichheit. Einige Einwohner von Gemert freuten sich wegen der französischen Anwesentheit: Bauern, Kleinbürger, Arbeiter und Studenten der Lateinischen Schule. Es war am Freitag dem ersten März 1793 als die Franzosen hier eintrafen. Die französischen Emigranten waren schon geflohen. Die deutsche Ritter und die Verwaltung von Gemert ebenfalls. Es wurde ein 'Freiheitsbaum' auf dem Marktplatz errichtet, dem heutigen Ritterplatz (Ridderplein). Er wurde mit Rot, Weiss und Blau geschmückt. Das waren die Farben der Revolution. Unter franzözischer Aufsicht tanzten 1500 Einwohner von Gemert Hand in Hand rund um den Freiheitsbaum. Die Privilegien der Adligen und Geistlichen (also des deutschen Ritterorden) wurden aufgehoben in Gemert. Vielen fühlten sich frei; ins besondere die Bauern, Studenten, Kleinbürger und Arbeiter. Die reiche Bürgerschaft war weniger froh. Der Inhalt der Gemertschen Gemeindekasse wurde von den Franzosen geraubt: 1595 Goldstücke. Nur ein Groschen wurde der Verwaltung überlassen als die revolutionären Soldaten weiter zogen! Einige Tage später zog ein Holländisches Heer in Gemert ein: der Freiheitsbaum wurde vom Marktplatz entfernt und Gemert kam wieder under die Verwaltung des deutschen Ritterordens. Ende 1794 kamen die Franzosen noch einmal in die Niederlande. Fast 20 Jahre lang wurde Gemert, genau wie der Rest der Niederlande (und das deutsche Rheinland) besetzt. In 1807 wurde der deutsche Ritterorden von Napoleon aufgelöst. Seine Eigentümer verfielen Frankreich zu. 1810 wurden die Niederlande eine Provinz des franzözischen Keiserreiches. In dieser Zeit war Gemert immer noch ein wichtiger Ort. Es war die 'Hauptstadt' des vierzigsten Bezirks vom Departement de la Ruhr und hatte einen eigenen Gerichtshof der niederen Gattung. Hier wurde - in franzözischer Sprache - für die ganze Region Recht gesprochen. Als die Franzosen in 1814 verjagt wurden, und Napoleon 1815 edgültig geschlagen war, entstand das Vereinte Königreich der Niederlande (Belgien und Holland zusammen). Gemert wurde ein normaler Teil der Niederlande.



4. DAS NEUNZEHNTE UND ZWANZIGSTE JAHRHUNDERT


Während der Periode des Vereinte Königreiches (Holland und Belgien zusammen) - 1814-1830 - wurde vom König Wilhem dem I. vieles zur Erhebung des Wohlstandes des Königreichs und seine Einwohner geleistet. Wilhelm bewirkte das ein Kanal vom belgischen Lüttich nach Herzogenbusch gegraben wurde: In weniger als fünf Jahren wurde dieses Kanal von 125 kilometer Länge gegraben. Es wurde De Zuidwillemsvaart (Der südliche Kanal des Wilhelms) genannt. Schiffe führten Steinkohlen und rohes Eisen aus Belgien über den Kanal zu. Im benachbahrten Beek en Donk (fünf Kilometer westlich von Gemert) und in Helmond (zehn Kilometer südlich von Gemert) entstand Industrie. Gemert aber hatte von diesem Kanal keine Vorteile. Im Jahre 1830 lehten die Belgier sich auf. Der protestantische König Wilhelm I sollte angeblich den Interessen der katholischen Belgier zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet haben. Die Niederlande spalteten sich von Neuem und Belgien wurde ein unabhängiger Staat. In Nord-Brabant sympathisierten viele Katholiken mit den aufständischen Belgiern. Auch in Gemert gab es einige Sympathiekundgebungen für die Belgier.

Seit dem sechzehnten Jahrhundert gab es in Gemert viele Weber. Im siebzehten und achtzehnten Jahrhundert wurde hier viel Webearbeit im Auftrag von reiche Kaufleute aus Holland geleistet. Das war wegen der relativ geringen Löhnen in Nord-Brabant. Anfangs des neunzehten Jahrhunderts gab es Hunderte von heimarbeitenden Weber in Gemert. Während der Periode des Vereinten Königreiches liessen sich hier einige Textil-unternehmer aus Belgien und dem benachbahrten deutschen Rheinland nieder. In einem Teil des Schlosses kam ein Textilfabrik! Der wichtigste Fabrikant wurde Johann Theodor Prinzen. Er kam aus der Umgebung von Mönchen-Gladbach. Aus dieser Gegend kamen auch einige seiner engsten Mitarbeiter. Eine grosse Anzahl der Gemertschen Einwohner - etwa ein Drittel der erwachsene Männer - war Weber. Hunderte von Ihnen arbeiteten zu Hause am Webstuhl im Auftrag von Unternehmern wie z.B. Johann Prinzen. Leinwand war das wichtigste Produkt. In den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts gab es viel Armut. Nicht nur in Nord-Brabant, auch in anderen Teilen West-Europas, wie zum Beispiel in Irland und im deutschen Schlesien war das der Fall. Die Gehälter der Weber waren ziemlich niedrig. Und im Jahre 1849 ging ein Gerücht von Lohnsenkung in Gemert um! Nachdem sie protestiert hatten gegen die niedrigen Löhne und gegen die Verplichtung im Laden des Unternehmers ihre Einkäufe machen zu müssen, wurde gestreikt. [Wenn mann seine Einkäufe nicht dort machte, bekam mann keine Arbeit! Und die Waren in den Läden der Fabrikanten waren um 15% teurer als in den sonstigen Läden.] Als der Bürgermeister einige Führer der Weber festnehmen liess, brach die Hölle los. Ein richtiger Aufstand der Weber brach aus. Die Wohnungen der Fabrikanten wurden angegriffen, die Fensterscheiben kaputt geschmissen und Webstühle wurden zerstört. Der Bürgemeister und die Unternehmer standen Todesangst aus. Das war am Freitag den 9.Februar 1849. Die Reaktion der Behörde war hart. Zwei Tage später rückte eine Abteilung des Heeres aus Herzogenbusch in Gemert ein. Der Ort wurde während einer Periode von zwei Monate besetzt und bei vielen Einwohner wurden Soldaten einquartiert. Eine Anzahl von Webern wurde festgenommen und verurteilt. Dieser Aufstand der Gemertschen Weber ähnelt sich mehr oder weniger dem Weberaufstand in Schlesien. Über diesen Aufstand had der deutsche Dramatiker Gerhart Hauptmann später sein berühmtes Sozialdrama Die Weber verfasst. Und der noch viel berühmtere Dichter Heinrich Heine das Gedicht Die Schlesischen Weber: "Deutschland, wir weben dein Leichentuch Wir weben hinein den dreifachen Fluch - Wir weben, wir weben!..."



Das neunzehnte Jahrhundert war eine Zeit von Rückgang und Armut in Gemert. Der Kanal kam nicht durch Gemert. Die Eisenbahn kam nicht durch Gemert. Die Strasse von Herzogenbusch nach Köln kam nicht an Gemert vorbei. Dadurch entstand hier fast keine neue Industrie. Das geschah wohl im benachbahrten Beek en Donk, in Helmond und in Eindhoven. Immer meht Leute verliessen Gemert in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts. Im Jahre 1860 hatte Gemert noch 5000 Einwohner. In 1890 waren es nur noch 4400! Viele Häuser standen leer. Anfangs des 20. Jahrhunderts waren in Gemert noch 800 Webstühle in Betrieb. Es gab also noch viel Heimarbeit. Aber es wurde immer mehr Textil produziert in den Fabriken. Es gab zwei relativ kleine Textilfabriken in Gemert und viele grosse Fabriken in Helmond. Viele Arbeiter aus Gemert arbeiteten in Helmond oder auch in Beek en Donk in der Drahtnagelfabrik der Familie Van Thiel. In Gemert gab es um 1900 auch einige kleine Zigarrenfabriken und eine grosse Fabrik für hölzerne Fässer. Übrigens, im Jahre 1906 haben die Weber einer Gemertschen Textilfabrik noch einmal gestreikt. In den dreissiger und vierziger Jahren gab es wieder viel Arbeitslosigkeit und Armut in Gemert. Auch die Bauern, immerhin ein Drittel der Bevölkerung, haben in diesen Jahren viel gelitten. Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Niederlande vom nazionalsozialistischen Deutschland besetzt. Beim Einmarsch der deutschen Truppen, am 11. Mai 1940, wurde im Zentrum von Gemert um das Schloss gekämpft. Viele Leute wurden von den Deutschen in Geiselhaft genommen und auf den Marktplatz zusammen getrieben. Das Schloss wurde in Brand geschossen und teilweise zerstört. In der Besatzungszeit waren viele Einwohner aus Gemert verpflichtet zu arbeiten auf den deutschen Flugplätzen in der Umgebung: Volkel (zehn Kilometer nördlich von Gemert) oder Eindhoven. Andere wurden gezwungen in Deutschland Arbeitsdienst zu leisten. Die Widerstandsbewegung war auch hier ein wenig aktiv. Einige Einwohner die vielfach mit der deutschen Besatzung mitarbeiteten, wurden von dem Widerstand erschossen. Aus Rache wurden dan einige andere Einwohner von Gemert von den Deutschen in Konzentrationslager versetzt oder erschossen. Im oktober 1944 wurde Gemert von den Engländern befreit.

Nach dem zweiten Weltkrieg ging es vorwärts mit Gemert. Anfangs gab es noch Probleme um etwa hundert Familien aus Indonesien zu beherbergen. (In 1949 wurde die Niederländische Kolonie Ost-Indien unabhängig und viele Niederländer und Indische Niederländer kamen zurück in die Heimat. Sie brauchten aber auch Wohnungen und Arbeit.) Wie in Deutschland gab es auch in den Niederlande in den fünfziger und sechziger Jahre ein Wirtschaftswunder. Auch Gemert hat davon profitiert. Vieles geschah zur Erhebung des Wohlstandes. Gemert wuchs. Viel mehr noch aber wuchsen Deurne, Veghel, Uden und Helmond. Die Textilindustrie wurde ein blühendes Geschäft, ging abwärts ter und konnte sich schliesslich - mit Hilfe der europäischen Gemeinschaft - modernisieren. Die grösste Industrie in Gemert wurde eine Fabrik von Isolationsmaterialien: mehr als 600 Leute finden hier ihre Arbeit. Auch die Landwirtschaft in Gemert litt an Wachstumsfieber. Hier wurden die Grenzen des Wachstums sogar überschritten und heutzutage muss die Landwirtschaft - nicht nur in Gemert sondern in ganz Nord-Brabant - ein Wenig zurück. Das gegenwärtige Gemert ist nicht mehr eines der wichtigsten Orten in Nord-Brabant. Es hat nur fast 19.000 Einwohner. Zusammen mit dem benachbarten Bakel hat die Gemeinde Gemert-Bakel 27.000 Einwohner. Gemert hat aber eine sehr interessante Geschichte. Ausser dem Schloss, der Kirche, einige Bauernhöfe und Wohnungen der reichen Bürgerschaft und ein reiches Archiv ist nicht vieles aus der Vergangenheit übriggeblieben. Seine Wohlfahrt aber war nie so gut wie heute.

 
(C) 1998 
 dr. Henk Giebels